Streetwork-Trier e.V. gibt es nun schon 10 Jahre.
Wie Ihr vielleicht noch wisst habe ich diese vor einiger Zeit angemailt ob meine Handarbeiten als Sachspenden dort willkommen wären. Nach ca 2 Wochen bekam ich richtige Post. Ein Brief von Dieter Ackermann in dem ich grünes Licht für meine Spenden bekam. Gleichzeitig wurde ich zum 10 Jährigen Jubiläum eingeladen. Ich fühlte mich geehrt solch eine Einladung zu bekommen. Für meinen Mann und mich war gleich klar: Da fahren wir hin!
Letzten Freitag, den 02.10. war es nun so weit.
Streetwork-Trier e.V. Ganz nah dran!
Die Feierlichkeiten fanden im Albertus-Magnus-Saal im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder statt.
Nun sind wir keine Menschen die solch große Versammlungen lieben. Doch hierbei geht es um solch eine gute Sache dass wir gerne dort hin fuhren. Auch wenn die Entfernung 75 km beträgt.
Im Saal war für ca 80 Personen gedeckt. Nur wenige Stühle blieben leer. Vielleicht 4. Ich habe sie nicht gezählt. Durch Krankheit und sonstige wichtige Gründe waren einige verhindert.
Mit Sekt und Saft wurde man gleich empfangen. Es war herrlich dekoriert und die Gedecke sahen nach einem langen Abend aus. Wir erschraken leicht und rechneten mit ca 23h. Nun denn.
Um 19h nahm ein Orchester, von einer Frau und 4 Männern, auf der kleinen Bühne Platz und spielte zur Eröffnung der Feierlichkeit auf.
Die Begrüßung erfolgte durch Dieter Ackermann. In seiner kleinen Ansprache fand er wunderschöne Worte die tief in mein Herz trafen.
Sie machen keine Betriebsfeste, haben keine Kaffeekasse, machen alles einfach so. Ohne Bezahlung.
Besonderen Dank und Achtung sprach er Raimund Ackermann aus. Der einzige bei
Streetwork-Trier e.V. der fest angestellt ist und ein Gehalt bekommt. Eben weil seine Arbeit unheimlich viel Zeit in Anspruch nimmt. Näheres zu seiner Arbeit kann man auf der HP der
Streetwork-Trier e.V. erfahren. Eine gute und informative Site die auch über seine Arbeit aus seiner Sicht berichtet. Auch von mir an dieser Stelle, den allerhöchsten Respekt für sein Engagement.
Dieter Ackermann sagte dass sie nicht nur eine Hilfe für die Obdachlosen geschaffen haben. Sie haben ein imaginäres Heim geschaffen und auch ein Stück Himmel.
Im Anschluss daran sprach ein Bruder. Die Barmherzigen Brüder haben eine Suppenküche bei der auch er gerne, wenn möglich, hilft. Eine warme Mahlzeit. Das ist wichtig. Dazu ein offenes Ohr. Und schon hat man so unendlich viel einem Menschen geschenkt. Von kurzer Dauer nur, doch von Bedeutung.
Der Bürgermeister der Stadt hielt auch eine kleine Rede in der auch er die Fortschritte, die durch
Streetwork-Trier e.V. gemacht wurden, lobte.
Nun spielte wieder das kleine Orchester.
Ein Arzt aus der Station der inneren Medizin des benachbarten ev. Elisabeth Krankenhauses sprach nun. Durch seine Arbeit hat auch er sehr engen Kontakt mit Obdachlosen. Man spürte dies in seinen Worten. Sein gutes Herz und mitfühlende Ader spiegelte sich in seiner Rede wieder. Auch er betonte, wie auch die anderen Redner, dass jeder Obdachlos werden kann. Eine Verknüpfung unglücklicher Umstände. Dann keine Helfende Hand. Niemand der einen auf fängt. Schon ist es geschehn. Aus den unterschiedlichsten Gründen kann ein Mensch in die Obdachlosigkeit rutschen. Ob Mann oder Frau. Gerne wird vergessen dass auch Frauen auf der Straße leben müssen.
Ein Nachklingen durch das Orchester. So hat man zwischendrin immer wieder Zeit die Worte wirken zu lassen.
Rita Knippel las: "Aus dem Leben von Mary"
Die wahre Geschichte einer Frau dessen Lebenweg sie in die Obdachlosigkeit drängte. Von Ihren Ängsten, schlimmen Erfahrungen, Vergewaltigung und Missbrauch, bis hin zum Alkoholismus. Der Alkohol der zur Sucht wurde. Weil er über den Tag half und die Angst vor der Nacht etwas linderte.
Doch so wollte sie nicht leben. Nahm sich vor es zu schaffen. Hilfe an zu nehmen und ihren Weg zu gehen.
Heute hat sie es geschafft. Ist trocken und hat ein Leben wie Du und ich.
Peter Kappenstein zeigte ein Bild vom Barmherzigen Samariter und sprach über das ganz nah dran sein. Dass so viel dazu gehört und doch so wenig. Dass Herz zeigen gar nicht so schwer ist, und doch schwer fällt. Dass Nähe zu lassen, Obdachlosen nahe kommen nicht einfach ist. Doch so unendlich viel hilft.
Das Orchester spielte nun ein beschwingte Stück.
Ich ließ die Worte nachklingen. Tief in mir drin.
Bei so manchen Worten musste ich heftig schlucken. Verkneifte mir die Tränen.
Wie gut es mir doch geht und wie arm diese Menschen sind.
Nichts haben sie.
Hatten einmal ein ganz normales Leben.
Waren Menschen unter vielen.
Doch auf einmal gleitet alles weg.
Sie stehen vor dem Nichts.
Nur das Leben, überleben, auf der Straße bleibt noch.
Nicht jeder greift zum Alkohol. Doch wenn ich mir vorstelle ich wäre gezwungen so leben zu müssen.....
Am Rande der Gesellschaft.
Ausgestoßen.
Von Familie und "Freunden" verachtet.
Aus dem Blickfeld geschoben.
Allein.
Allein in größter Not.
Hat es sich nicht aus gesucht.
Wurde nicht gefragt.
Die Musik verklingt und es wird zu einem Imbiss geladen. Ein Buffet war auf gebaut. Ein herrliches Buffet.
Ich lud mir nur eine winzige Kleinigkeit auf meinen Teller.
Es war köstlich. Keine Frage. Hunger hatte ich bis dahin auch. Sehr sogar.
Doch ich sah all das feine und herrliche Essen und dachte an die Obdachlosen. An diese Menschen die nun irgendwo da draußen auf der Straße saßen.
Hatten Sie es gerade so warm wie ich in diesem Saal?
Hatten Sie satt zu essen an diesem Tag?
Ich hatte Mühe diese kleine Portion zu essen.
Meine Kehle war wie zu geschnürt.
Ein gemütliches beisammen sein fand nun statt. Man tauschte sich etwas aus.
Ich nutzte die Gelegenheit und stellte mich Dieter Ackermann vor. Wir hatten ein kleines und gutes Gespräch. Er ist ein Mensch den man einfach mögen muss.
30 Menschen werden von Ihnen ständig betreut. Meine Recherche im Internet ließ mich erfahren dass die Zahl in den Jahren ständig steigte.
Es ist bestimmt nicht immer leicht so ganz nah dran zu sein. Denn Menschen die auf der Straße ihr Leben verbringen müssen haben nicht die Möglichkeit der Hygiene wie wir. Kurz, sie duften nicht nach Veilchen.
Dazu kommen Krankheiten die mit solch einem Leben nicht vermieden werden können. So hat der Streetworker Raimund Ackermann sich auch schon so manche Hautkrankheit etc zu gezogen.
Ganz nah dran.
Das heißt auch Nähe zu lassen.
Die Hand geben oder auch mal eine Umarmung.
Eben einem Menschen wie einem Menschen begegnen.
Das kostet Kraft und Ausdauer.
Wer in die Augen von Raimund blickt sieht wie sich dort das Leid spiegelt mit welchem er Tag für Tag und Nacht für Nacht konfrontiert ist.
Der Abend war noch lange nicht aus. Doch unser Weg war doch nicht so klein und meine Schmerzen ließen uns dann nach Hause fahren. Es war erst 22.15h als wir zu Hause ankamen. So lange war der Abend gar nicht.
Wir waren uns wohl bewußter denn je der Not dieser Menschen. Doch gleichzeitig fühlten wir solch eine Wärme und, ja, Dankbarkeit. wir sind Dankbar dass und das Schicksal mit solch einem Weg verschont hat.
Wir sind Dankbar ein Dach über dem Kopf, täglich satt zu Essen, ein Bett zum Schlafen und im Winter es warm zu haben. Wir sind Dankbar für unser Heim.
Wir sind Dankbar dass es solche Menschen wie von
Streetwork-Trier e.V. gibt. Die den Ärmsten der Armen helfen.
Wir sind Dankbar dass auch wir helfen können.
10 Jahre
Streetwork-Trier e.V. Ganz nah dran!
Welch eine Leistung.
Ich hoffe dass es sie noch lange geben wird. Denn es wird wohl auch noch lange Menschen geben die ihre Hilfe benötigen.
Menschen die solche Menschen dringendst brauchen. Die keine Angst haben ganz nah ran zu gehn.
An dieser Stelle möchte ich noch ein mal sagen wie gut die Homepage von
Streetwork-Trier e.V. ist. Schaut mal rein.
Alle Mitarbeiter dort erfüllen ein Ehrenamt. Das heißt sie bekommen kein Geld. Nur Raimund Ackermann bekommt ein Gehalt.
Wer einmal dort helfen möchte, den möchte ich auf
diesen Artikel verweisen. Ob nun durch Sach- oder Geldspenden, oder auch direkte Hilfe. Die kann man auch leisten. Ehrenamtlich versteht sich. Mal in der Suppenküche helfen, oder auch mit auf die Straße gehn und nur mal ein offenes Ohr haben für Menschen denen sonst niemand zu hört.
Wer einen Film zum Thema schauen möchte dem kann ich "
Brennendes Schicksal" empfehlen.
Eine Familie verliert durch ein Feuer ihr Heim und das Einkommen und lebt fortan auf der Straße.
Als dieser im TV lief habe ich ihn auf genommen und in meine Sammlung gelegt.
Er ist schon etwas älter, doch so aktuell. Nahmhafte Schauspieler die, meiner Meinung nach, eine Glanzleistung hin legen.
Obdachlosigkeit kann jeden Treffen.
Vergessen wir diese Menschen nicht.